Geschichte des Bobsports

Vom Transportschlitten zum Rennbob - die Zeiten ändern sich 

Obwohl es schon seit vielen Jahrhunderten Schlitten als Transportmittel gab, begann der Bobsport erst Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz, als man erstmals versuchte, den Rodelschlitten mit einem Lenkmechanismus zu koppeln. 1889 wurde  das erste Bobrennen in Davos ausgetragen. Der erste Bobclub wurde 1897 in St. Moritz gegründet, und damit begann sich der Bobsport in den Wintersportgebieten Europas auszubreiten.

Schon im Jahre 1914 wurden Bobrennen auf den unterschiedlichsten Natureisbahnen ausgetragen. Die ersten Rennschlitten waren aus Holz, diese wurden jedoch bald durch Stahlschlitten ersetzt. Da die Mannschaft, um die Geschwindigkeit zu erhöhen, auf den Geraden hin und her wippte, nannte man diese Sportgeräte Bobschlitten (aus dem Englischen „to bob“ = wippen). 1923 wurde die Fédération Internationale de Bobsleigh et de Tobogganing (FIBT) gegründet. Im darauf folgenden Jahr fand bei den ersten Olympischen Winterspielenin Chamonix ein Viererbob-Rennen statt.

Der Zweierbob-Wettbewerb kam erst bei den Olympischen Winterspielen 1932 in Lake Placid dazu. In den 50er Jahren entwickelte sich der Bobsport, den wir heute kennen. Denn 1952 kam es zu einer einschneidenden Änderung des Reglements. Das Gesamtgewicht der Mannschaft plus Bob wurde gesenkt. Dadurch ging die Aera der häufig schwergewichtigen Besatzungen zu Ende. Als man feststellte wie entscheidend der Startvorgang ist, traten starke, schnelle Athleten aus anderen Sportarten zum Bobsport über. Bald suchte man nach Leichtathleten und anderen schnellkräftigen Sportlern, die sich für den so wichtigen Anschub am Start eigneten. Der Bobsport entwickelte sich von nun an zum modernen Leistungssport. Mit den sportlicheren Mannschaften mussten auch fortschrittlichere Bobs und Bahnen mit einem erhöhten Sicherheitsanspruch Schritt halten.

Heute finden die Wettkämpfe zumeist auf Kunsteisbahnen statt und werden in technisch hochwertigen Bobs aus Kohlefaser- und Stahlkonstruktionausgetragen. Abgesehen von britischen Einflüssen in der Pionierzeit des Bobsports, einer starken Präsenz der USA zwischen 1928 und 1956, der perfektionierten Dominanz der DDR in den 70er Jahren und Erfolgen anderer Länder in der letzten Zeit, ist über die Jahre der Bobsport vor allem von den europäischen Alpenländern (Schweiz, Österreich, Italien, Deutschland) beherrscht worden. Obwohl diese Länder weiter erfolgreich bleiben, beweisen heute auch andere Länder – USA, Kanada, Russland, Frankreich – ihre Leistungsstärke.

Anfang der 90erJahre wurde eine weitere Entwicklung des Bobsports eingeläutet, als Frauen mit Bobwettkämpfen in Nordamerika und Europa begannen.

 

Geschichte des Skeletonsports

Bäuchlings und Kopf voraus durch den Eiskanal

Die Ende des 19. Jahrhunderts in den Alpenländern verwendeten sogenannten„Toboggans“ fanden ihren Ursprung in den kanadisch-indianischen Transportschlitten. Der erste Tobogganing Club wurde 1883 in Davos gegründet.
1885 bauten ein paar Wagemutige aus Davos und St. Moritz nahe dem Örtchen Cresta bei St. Moritz eine steile Eisrennbahn und trugen den ersten „GrandNational“ aus. Zwei Jahre später stürzte sich der erste Fahrer liegend mit dem Kopf voran die Eisbahn hinunter.
Cresta-Skeleton war somit geboren. Bis heute verbindet man Skeleton-fahren auf dem Cresta-Runin St. Moritz mit einem Hauch von Exklusivität, denn Reiche und Berühmte trafen sich oft in dem Schweizer Kurort, um Cresta-Rennen zu erleben. Am 4. Februar 1912 wurde in Schierke die erste „Deutsche Skeleton-Meisterschaft“ ausgetragen. Aus dem Cresta-Skeleton entwickelte sich das heute bekannte Bobbahn-Skeleton.

Als 1928 die Olympischen Winterspiele in St. Moritz ausgetragen wurden, war Bobbahn-Skeleton eine der Hauptattraktionen. In den nächsten Jahren setzte ein regelrechter Boom im Skeleton-Sport ein, und Menschen aus aller Welt kamen nach St. Moritz, um die tollkühnen Fahrer in der Eisbahn zu bewundern. Als es in den Nachkriegsjahren etwas ruhig um Skeleton wurde, erschien ein neuer Star auf dem Cresta-Run, der eine neue Zeitrechnung im Skeleton-Sport einläutete. Mit einem aerodynamisch perfekten Anzug und nach hintengestreckten, eng am Körper anliegenden Armen unterbot der Schweizer Bruno Bischofsberger die bestehenden Bestzeiten bei weitem. Dieser Stil, der Geschwindigkeiten bis zu 130 km/h ermöglicht, hat sich bis heute gehalten. Einen weiteren Aufschwung für diesen Sport gab es 1990. Erstmals wurden Damen auf den Bobbahnen zugelassen. Dies gilt aber nur für Bobbahn-Skeleton. Auf dem Cresta-Run in St. Moritz dürfen bis heute keine Damen die Bahn betreten, geschweige denn befahren.

Bei der Weltmeisterschaft 2000 waren erstmals auch die Frauen am Start. Die Siegerin in Igls hieß Steffi Hanzlig aus Thüringen, später als Steffi Jacob für den WSV Königssee am Start. Zu den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City erfuhr Skeleton mit der erstmaligen Wiederaufnahme in das olympische Programm seit 1948 einen Höhepunkt. Olympiasieger wurden die Amerikanerin Tristan Gale und ihr Team-Kollege Chris Shea.

 

Geschichte des Damen-Bobsports

Dahin ist die männliche Exklusivität.

Wie so oft im Leben, wähnte sich die Männerwelt über Jahrzehnte in dem Glauben, sie könnte vieles besser als das „Schwache Geschlecht“ – und so sei Bobfahren ein Männersport. Heute muss „Mann“ neidlos ein-gestehen: Die Damen können das sehr gut.  Doch die Damenwelt hat sich das Bobfahren zuerst hart zurück erkämpfen müssen. In den Anfängen des Bobsports um 1885 fuhren bereits Frauen, teilweise zu fünft in einem Bob. Laut Schweizer Bobarchiv fanden vom 30. Dezember 1909 bis zum 2. Januar 1910 in Gossensaß auf einer 1600 Meter lagen Bobsleighbahn Bobveranstaltungen statt, an denen auch Frauen teilnahmen. Es gab auch reine Damenteams, wie etwa die Frauenmannschaft „Haidenschaft“ mit Frau Kelderer als Lenkerin. Doch beim Gründungskongress der FIBT in Paris im Jahre 1923 beschlossen die Delegierten –übrigens alles Männer – die Damen von den Meisterschaften prinzipiell auszuschließen. 

Auf den Kongressen danach wurde diese Entscheidung von der männerdominierten Bobwelt bestätigt, und der Damenbobsport war 20 Jahre lang kein Thema mehr. Erst 1995 schuf die FIBT, nach verschiedenen Vorstößen einzelner Nationen, dann wieder Meisterschaften für Frauen im Bob. Damit war der Grundstein für die Entwicklung einer aufstrebenden Sportart zurolympische Disziplin gelegt, mit dem Effekt einer verbesserten Auslastung der Bobbahnen dieser Welt.

Vorerst gab es eine Weltcupserie mit acht Rennen, bis schließlich im Jahr 2000  die erste Weltmeisterschaft im Damenbob statt fand. Erste Weltmeisterin wurde die ehemalige Hürdenläuferin und Rennrodel-Weltmeisterin Gabriele Kohlisch aus Oberwiesenthal. Fortan waren es vor allem die ehemaligen Rennrodlerinnen, die durch Bahnkenntnis und Steuerkunst überzeugten. Die Ex-Rennrodel-Weltmeisterin Susi Erdmann (Königssee) fand im Winter 1999/2000 zum Bobsport und auch Ex-Juniorenweltmeisterin im Rennrodeln Sandra Prokoff (Winterberg) überzeugte von Beginn an durch ihr Fahrgeschick und profitiert zudem von ihrer früheren Teilnahme an Leichtathletik-Wettbewerben. So war sie von Anfang an auch am Start ein Ass. Italien hat die Rennrodel-Olympiasiegerin von 1994, Gerda Weißensteiner, im Lager der Bob-Damen aufgeboten und die ehemalige amerikanische Rodlerin Jean Racine dominierte die Weltcup-Jahre 1999 bis 2001.

Die Entscheidung über die Einführung des Damenbobsports als neue olympische Disziplin für die Winterspiele 2002 in Salt Lake City fiel durch die Exekutive des IOC am 2. Oktober 1999. Die erste Olympiasiegerin im Bob der Damen auf der Kunsteisbahn von Park City hieß Jill Bakken aus den USA. Spätestens nach den Erfolgen der Olympischen Winterspiele steht fest – die Damen sind zurück!